Artikelnummer:

62

Johannes von Damaskus

Antike original russische Ikone aus dem 19. Jahrhundert.

Beschreibung

Gedenktag orthodox/katholisch: 4. Dezember

Name bedeutet: Gott ist gnädig (hebr.)

Mönch, Kirchenlehrer

um 650 in Damaskus, Syrien

† 4. Dezember vor 754 im Kloster Mār Saba bei Jerusalem in Israel

Dieser große Kirchenvater und Hymnograph wurde um die Mitte oder gegen Ende des 7. Jh. in Damaskus geboren. Im Jahr 635 war diese syrische Stadt, die bisher zu Byzanz gehört hatte und seit langem in bedeutendes Zentrum hellenischer Kultur bildete, unter arabische Herrschaft gefallen, und 661 wurde sie Sitz des Kalifats. Ihre Christen waren starkem Druck ausgesetzt seitens der mohammedanischen Eroberer, die ihnen hohe Tributzahlungen auferlegten. In dieser schwierigen Situation hatten sie jedoch einen guten Fürsprecher am Kalifenhof – Johannes’ Vater, Sergios Mansur, Mitglied einer der meistge- achteten und reichsten christlichen Familien der Stadt, dem es gelang, das Vertrauen von Kalif Abdul Malik (685-705) zu gewinnen, und von diesem zum Intendanten für die Angelegenheiten der christlichen Bevölkerung ernannt wurde. Er war ein gottesfürchtiger und barmherziger Mann, der einen großen Teil seines Reichtums verwendete für Almosen und für den Freikauf versklavter Christen. Von Kindheit an durch das Beispiel seines tugendreichen Vaters erbaut, wuchs Johannes zusammen mit einem Adoptivbruder auf, dem Heiligen Kosmás (14.10.), den Sergios als Waisen in sein Haus aufgenommen hatte. Als Lehrer hatten die beiden aufgeweckten Knaben einen gelehrten griechischen Mönch aus Unteritalien, der ebenfalls Kosmas hieß, auch er von Sergios aus arabischer Versklavung losgekauft, der sie in der wahren Philosophie des Heiligen Geistes und in allen Wissenschaften seiner Zeit unterrichtete.

Sie machten rasche Fortschritte und zeichneten sich beide besonders aus in der Dichtkunst und der Musik. Nach einigen Jahren hatten sie das Wissen ihres Lehrers so weit aufgenommen, dass ihnen dieser nichts weiter beizubringen hatte und deshalb darum bat, sich in die Lawra des Heiligen Sabas zurückziehen zu dürfen, um dort den Rest seines Lebens zu verbringen. Johannes aber, der die arabische Sprache ebenso perfekt beherrschte wie die griechische, wurde beim Tod seines Vaters dessen Nachfolger am Kalifenhof.

Als Leon III. der Isaurier (717-741) den Kaiserthron von Byzanz bestieg und um 726 die Heilige Kirche Christi zu quälen begann, indem er die Verehrung der Heiligen Ikonen bekämpfte, sandte Johannes als glühender Verfechter des orthodoxen Glaubens zahlreiche Briefe nach Konstantinopel, um anhand der Heiligen Schrift und der Lehren der Heiligen Väter die Ikonen-Verehrung zu verteidigen. Damit zog er sich den Hass des Kaisers zu. Um sich des unbequemen Johannes zu entledigen, schickte der Kaiser einen gefälschten Brief von Johannes zum Kalifen nach Damaskus, in welchem Johannes den Kaiser angeblich aufforderte, sich der Stadt zu bemächtigen. Der damalige Kalif, getäuscht durch dieses Manöver, ließ Johannes zur Strafe die rechte Hand abschlagen. Am Abend desselben Tages legte Johannes seine leblose Hand vor die Ikone der Gottesmutter („die Dreihändige Gottesmutter) und betete lange Stunden unter Tränen zur Allheiligen, damit sie ihm den Gebrauch seiner Hand wiedergebe.

Schließlich übermannte ihn der Schlaf. Da sah er, wie die Ikone lebendig wurde, und vernahm die Stimme der Gottesmutter, die ihn tröstete. Als er erwachte, fand er zu seiner seligen Überraschung die rechte Hand wieder an ihrem natürlichen Platz. Er beschloss, sein weiteres Leben ganz der Lobpreisung der Gottesmutter und unseres Erlösers Jesus Christus sowie der Verteidigung des orthodoxen Glaubens zu widmen. Er trat von seinem Amt zurück, verteilte sein Vermögen und zog mit seinem Adoptivbruder Kosmas ins Heilige Land, um in der Lawra des Heiligen Sabas Mönch zu werden.

Neben diesem Charisma des Meloden und liturgischen Dichters gewährte Gott dem Heiligen Johannes, der inzwischen vom Patriarchen Johannes V. von Jerusalem (706-735) die Priesterweihe empfangen hatte, auch die Gnadengabe der Theologie. In einer Trilogie mit dem Titel „Quelle der Erkenntnis“ legt er, in einer Sprache von beispielhafter Dichte und Klarheit, die Essenz des christlichen Glaubens dar, so wie er ausgedrückt worden ist von den Heiligen Vätern vor ihm: Gregor dem Theologen, Basilios dem Großen, Johannes Chrysostomos, Gregor von Nyssa, Maximos dem Bekenner u.a. Er tat dies, ohne den überlieferten Dogmen und Lehren der Kirche eigene Meinungen beizumengen, sondern in völliger Treue zur offenbarten Wahrheit. Sein Werk gilt bis heute als Krönung jener großen Ära der Vätertheologie.

Aus dem Buch: Das Synaxarion – die Leben der Heiligen der Orthodoxen Kirche Gemeinschaftswerk der byzantinischen Hagiographie (12 Bände), Französische Adaption in 6 Bänden Priestermönch Makarios von Simonos Petra (Athos), deutsche Adaption in 2 Bänden Hl. Kloster des Hl. Johannes d. Vorläufers, Chania, 2005 für die deutsche Fassung: Kloster des Klosters des Hl. Johannes d. Vorläufers, GR-73100 Chania. Verteilung DE, AT, CH: Prodomos Verlag, Mauerstrasse 7, D-14641 Nauen.

Joachim Schäfer: Artikel Johannes von Damaskus, aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon – https://www.heiligenlexikon.de/BiographienJ/Johannes_von_Damaskus.htm

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