Ikonen mit Oklad oder Riza

Antike russische Ikonen

 

Der Ikonenbeschlag erfüllt einen praktischen und einen ideellen Zweck: Er schützt die Ikone vor Fremdeinflüssen (wie Kerzenruß, Staub, mechanische Verletzungen), und er hüllt sie feierlich ein, so wie der Reliquienschrein die verehrungswürdige Reliquie. Auch die fromme Sitte des Küssens von Ikonen wird zur Entstehung von Schutzhüllen beigetragen haben. Der Beschlag ist gewiss kein ursprünglicher Bestandteil der Ikone. Aber er ist auch keine zufällige Beigabe, kein „Accessoire“, sondern ein Kleid, das, einmal angelegt, mit seiner Trägerin alt geworden ist.

 

Die Anfänge des Ikonenbeschlags gehen wahrscheinlich bis ins 13. Jahrhundert zurück. Man versah Ikonen mit einem Randbeschlag aus Edelmetall, der mit Porträtbüsten, Szenen oder auch nur Ornamenten ausgestattet war und manchmal den Darstellungen auf dem gemalten Rand selbst entsprach. Zur weiteren Entwicklung dieser Randbeschläge, die schließlich das gemalte Bild nahezu überwuchern oder verdrängen konnten, werden die erwähnten praktischen Gründe beigetragen haben. Aber die ideellen Anfangsgründe liegen schon im Kernstück der orthodoxen Bilderlehre beschlossen: Ein Bild, das einmal als richtiges (wahres) stoffliches Abbild eines geistig-unstofflichen Urbildes geschaffen wurde, kann durch die ihm einwohnende göttliche Schöpferkraft ständig wiederholt werden. Auf diese Weise wiederholen sich nicht nur auf den entsprechend bearbeiteten Schutzhüllen die darunterliegenden gemalten Darstellungen, sondern die Hüllen selbst erhalten so eine Art materieller Autonomie.

 

Folgende Formen des Ikonenbeschlags sind zu unterscheiden: Die (russ.) Basma, noch heute heißt im alten Stadtkern von Moskau eine Straße nach den Handwerkern, die solche Beschläge herstellten, die „Straße der Basmanciki" (russ. „basmannaja ulica") — greift vom Rand aus so über das ganze Bild, dass die Figuren freibleiben. Der (russ.) Oklad oder auch die Riza bedeckt die gesamte Bildfläche mit Ausnahme der Inkarnatstellen. In beiden Fällen handelt es sich um vergoldete und entsprechend bearbeitete Silberbleche, die nicht selten mit kostbaren Edelsteinen und kleinen Emaillen geschmückt wurden. An der Ikone angebracht, hängte man vor ihnen auch kleine Lampen auf und zierte sie mit Devotionalien.