Die Gottesmutter | Muttergottesikonen

Antike russische Ikonen

 

In Russland fand die Eleusa, die Gottesmutter der Rührung, auch Gottesmutter des Erbarmens genannt, ebenfalls eine der ältesten Ikonentypen, weite Verbreitung. Weniger häufig trifft man sie im byzantinischen Raum an, obwohl sie dort entstanden ist. Es ist eine Darstellung der mütterlichen Maria, die sich dem Kind zuneigt, das zärtlich seine Wange an die ihre schmiegt. Manchmal wird auch die linke Hand des Kindes sichtbar, das seinen Arm um den Hals der Mutter gelegt hat. Das Gesicht der Mutter ist leiderfüllt: Sie weiß un das künftige Schicksal ihres Kindes.

Die bekanntesten russischen Variationen dieses Typs sind die Wladimirskaja, Korsunskaja und die Tolger Muttergottes des Erbarmens.

 

Zu den Grundtypen gehört die Blachernitissa, so benannt nach der Blachernenkirche in Konstantinopel. Maria erhebt die Hände zum Himmel - es ist die ursprüngliche Gebetshaltung der Christen -, oder sie steht aufrecht im sogenannten Doppelorantengestus - beide Hände vor der Brust erhoben, dem Betrachter die Innenflächen der Hand zeigend. In Konstantinopel wurde die Muttergottes von Blachernae sehr verehrt. Der Legende nach sah Andreas, ein Narr in Christo, in einer Vision, wie die Gottesmutter ihr Schleiertuch (griechisch Maphorion) genannt, als Schutztuch vor dem Volk ausbreitete. Die bekannteste russische Variante der Gottesmutterikone ist die „Znamenie“ (die Gottesmutter des Zeichens).

 

Man unterscheidet heute etwa 300 Varianten der Gottesmutterikonen. Zu den wichtigsten zählen die Kasanskaja, die Strastnaja und die Otrada.

 

Die Kasanskaja ist in Russland von allen Muttergottesikonen wohl am häufigsten anzutreffen. Das Urbild soll von einem kleinen Mädchen aus Kasan 1579 in einem Brunnen gefunden worden sein, nachdem ihm die Gottesmutter im Traum erschienen war und ihr die Stelle gezeigt hatte, wo sie graben sollte. Die Ikonen des Kasanskajatyps zeigen häufig nur den Kopf der Muttergottes, der sich leicht dem Kinde zuneigt; das Kind erscheint in Halbfigur mit segnender Hand.

 

Wie die Smolenskaja und Tichwinskaja, die ebenfalls nach ihrem Herkunftsort benannt sind, variiert die Kasanskaja den weit verbreiteten Typ der Hodigitria, der Wegführerin. Die Legende berichtet, dass der Evangelist Lukas das erste Hodigitrienbild gemalt habe. Es soll im 5.Jahrhundert nach Konstantinopel gekommen und 1453 von den Türken vernichtet worden sein. Die Gottesmutter Hodigitria zeigt sich in herrscherlicher Haltung und weist vor dem Volk auf ihren Sohn hin, den sie mit einem Arm umfasst.