Christus Pantokrator, der "All- oder Weltenherrscher"

Antike russische Ikonen

Ein früher Typ der Christusikonen ist der „Nicht von Menschenhänden gemachte Christus“. Ikonen dieser Art sind Nachbildungen des Edessenums ("Christusbild von Edessa", "Abgar-Bild"), jenes Bildes, das König Abgar von Edessa persönlich von Christus erhalten haben soll. Da es in einem Tuch abgedrückt war, nannte man es auch „Mandylion“. Bei diesem Typ der Ikone ist das von Haupt- und Barthaar umrahmte Antlitz Christi frontal dem Betrachter zugewandt. Ein Halsansatz wird nicht sichtbar, und es fehlt die Dornenkrone.

 

Eine Parallele zum Mandylion ist das im christlichen Abendland verehrte Schweißtuch der Veronika, das ab 1400 nachweisbar ist. Es zeigt jedoch Christus mit der Dornenkrone.

 

Der Legende nach soll die Heilige Veronika Christus, als er sein Kreuz nach Golgatha trug, ihren Schleier gereicht haben, damit er seinen Schweiß trockne. Der Mandyliontyp der Christusikone wird in Russland sehr verehrt und beim Fest der Orthodoxie am 19. Februar in der Prozession mitgeführt. Auf zahlreichen Nachbildungen ist der ganze Kopf von einer goldenen Aureole umgeben, in den die griechischen Worte „ho on“, der Seiende, gemalt sind.

 

Ein ebenfalls sehr alter Ikonentyp ist Christus Pantokrator, der Allherrscher, wie wir ihn auch häufig auf Mosaiken und Fresken aus frühchristlicher Zeit finden. Wie der Mandyliontyp wird er im Laufe der Jahrhunderte zwar stilistisch abgewandelt und der Gesichtsausdruck ändert sich, erfährt jedoch keine gedanklichen Variationen.

 

Der Pantokrator - Halb- oder Ganzfigur - hält in der linken Hand das geschlossene oder aufgeschlagene Evangelienbuch die rechte ist zum Segensgestus erhoben, und die Finger weisen gleichzeitig auf den deutlich lesbaren Text des Buches. Der Segensgestus wird im orthodoxen Bereich mit erhobenem oder abgewinkeltem Arm vor der Brust ausgeführt. Daumen, Zeige- und Mittelfinger sind erhoben; der Ringfinger, oft auch der kleine Finger, ist abgewinkelt und berührt den Daumen oder bewegt sich auf ihn zu. Auf Abbildungen aus mittelbyzantinischer Zeit ist der Handrücken meist nach innen gedreht. Die linke Hand kann statt des Buches auch eine Schriftrolle halten. Der Pantokrator ist meist thronend dargestellt, manchmal wie ein Bischof gekleidet und mit seinen Insignien angetan.

 

Wahrscheinlich sprach das Volk besonders dieser Christus an, der sehr menschliche Züge trägt und eine heftige Gemütsbewegung zeigt: Die Augen blicken scharf, die Stirn ist gerunzelt, der Gesichtsausdruck ist düster. Das frontal gezeigte Antlitz ist von langen, auf Schulter und Rücken herabhängenden Haaren umrahmt; Hals und ein Teil der Schultern sind sichtbar.